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Es war der linke Zeigefinger. Der zierliche, feminine Finger meiner Freundin. Dessen Abdruck ist nun ihr persönlicher Schlüssel zu meinem privaten Notebook und damit auch zu einem wichtigen Teil meines Lebens.
Ich habe es also getan. Ich habe den voreingestellten Abdruck meines linken Zeigefingers gelöscht und durch ihren ersetzt. Technisch gesehen war das keine große Sache. Dreimal über den Scanner fahren: fertig.

Schwierig war es, diese Entscheidung überhaupt zu treffen. Bei vollem Zugang auf meine gesamten Daten kann sie nun vieles über mich herausfinden – Rechnungen, private E-Mails, Zeugnisse. Wird sie es ausnutzen? Wird sie außer den Desktoplinks zu meinen Medienordner und Mahjong andere Dateien und Programme öffnen?
Ich weiß es nicht. Aber ich werde mich nicht mit der Frage quälen, ob sie in den digitalen Tiefen meines Rechners irgendwelche Leichen entdeckt, die sogar ich vergessen habe. Ich werde nicht kontrollieren, welche Dateien sie zuletzt geöffnet, welche Internetseiten sie besucht hat, denn ich vertraue ihr.
Lenin hat gesagt: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Aber Lenin ging es auch nicht um die bedingungslose Liebe zu einem vertrauten Menschen, sondern um die Revolution. Die Revolution in meinem Leben ist meine Freundin. Deswegen gebe ich die Kontrolle hab. Deswegen vertraue ich. Und ich fange mit ihrem linken Zeigefinger an.
Welchen Finger reichen Sie Ihrer Liebsten? Würden Sie ihr die ganze Hand geben oder fürchten Sie den Kontrollverlust?
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